Wie alles begann…
Anfang 2005 fühlte ich mich in meinem Job nicht mehr wohl. Ich hatte eine sehr verantwortungsvolle Position als Callcenter-Direktorin, aber sie machte mir keinen Spaß mehr. Eine Kollegin hatte mich darauf aufmerksam gemacht, wie ich zu diesem Zeitpunkt zu meiner Arbeit stand. Das Gespräch hallte lange in meinem Kopf nach: „Die Arbeit muss dir Energie geben“. Und ehrlich gesagt? Das hatte ich schon lange nicht mehr gespürt. Ich wollte etwas anderes, etwas Neues. Aber was? Meine Gedanken gingen in alle Richtungen. Wer bin ich? Worin bin ich gut? Habe ich für irgendetwas Leidenschaft? Was ist mein Talent? Der Druck wurde immer größer und ich brauchte dringend Ablenkung. Einfach einen Moment Me-Time. Also ging ich zu meinem Lieblingsgeschäft Maxim’s in Eindhoven, um mich mit ein paar neuen Outfits zu verwöhnen. Ja, auch schon vor 20 Jahren liebte ich Mode und fand es wichtig, auch in einer größeren Konfektionsgröße stylish und gepflegt aufzutreten.

Ein neues Abenteuer
Im Laden traf ich Tinie, meine vertraute Verkäuferin. Eine fantastische Frau, die immer für jeden da war und ein Schwätzchen hielt. Auf ihre Frage, wie es mir ginge, antwortete ich ganz ehrlich, dass es mir nicht so gut ginge. Dass ich auf der Suche nach dem nächsten Schritt in meiner Karriere sei und bereit für ein neues Kapitel. Als Top-Verkäuferin merkte sie schnell, dass sie meine Stimmung heben musste. Um mich aufzumuntern, sagte sie lachend: „Dann übernimmst du doch diesen Laden? Die Besitzerin hört auf!“.
In einem Augenblick wusste ich es. Das war mein Weg. Plötzlich sah ich mich mit ganz anderen Augen im Laden um. Ohne Tinie etwas zu sagen, fuhr ich nach Hause und erzählte meiner Familie, dass ich meinen Job kündigen und einen Laden kaufen würde. Sagen wir mal so: Ihre Reaktion war damals etwas weniger enthusiastisch. „Alle Sicherheit hinter dir lassen und in ein großes Abenteuer stürzen, bist du verrückt?“. Aber ich folgte meinem Gefühl und machte weiter, mit einem Körper voller Adrenalin und einem Kopf voller guter Ideen. Innerhalb einer Woche war alles geregelt und ich rief Tinie an, um ihr mitzuteilen, dass ich ihre neue Chefin werden würde und dass ich alles von ihr über dieses Handwerk lernen wollte. Ich bin ihr immer noch unendlich dankbar, dass sie das getan hat. Viele Leute denken, es sei nur „ein bisschen im Laden stehen“, aber da steckt so viel mehr dahinter. Menschenkenntnis, Produktkenntnis, technische Kenntnisse,… Ich meine, was wusste ich schon darüber, wie man eine Hose zum Kürzen richtig absteckt? Der erste Tag, an dem ich allein in dem Laden stand, war sehr aufregend. Gesunde Aufregung, glücklicherweise, denn alles in mir spürte, dass dies die richtige Wahl war.

Ich habe es einmal geschafft, ich kann es wieder tun… oder?
„Eines Tages wirst du noch groß rauskommen, pass nur auf!“ sagte Tinie manchmal. Ich habe es so oft lachend abgetan, glaubte absolut nichts davon. Zwei Jahre später stand ich auf dem Hockeyfeld in Best und sah meinen Söhnen zu. Eine Bekannte kam auf mich zu und erzählte, dass das Plussize-Geschäft in Best schließen würde. „Ob ich das nicht übernehmen könnte“ sagte sie „denn es wäre eine Schande für das Dorf, wenn es verloren ginge“. Und wieder begann es in mir zu kribbeln… Ich hatte dieses Kunststück schon einmal vollbracht, warum nicht noch einmal? Also, ehe ich mich versah, war ich plötzlich Besitzerin eines zweiten Ladens in Best.

Die Jahre danach waren sehr schön, aber unglaublich turbulent. Ich pendelte ständig zwischen zwei Läden. Beide wuchsen aus ihren Kinderschuhen heraus und es wurde immer deutlicher, dass es Zeit für einen nächsten Schritt war. Da die Stadt immer schwieriger zu erreichen war und Best an der Kreuzung zwischen Den Bosch, Tilburg und Eindhoven liegt, beschloss ich, in Best ein neues Gebäude zu suchen und dort die Läden zusammenzulegen. So landete Maxim’s in der Oirschotseweg 28, woran sich viele von euch wahrscheinlich noch erinnern können.
Zur gleichen Zeit starteten wir mit TV-Werbespots bei Omroep Brabant, und das zahlte sich aus. Innerhalb weniger Jahre wuchsen wir stark und Menschen aus ganz Brabant kamen zu uns. Wir arbeiteten dort mit viel Leidenschaft und Freude, aber nach 10 Jahren platzten wir auch dort aus allen Nähten. Ü-ber-all lag/hing/stand Kleidung und es gab kaum Arbeitsfläche. Es musste sich wirklich etwas ändern.
Ein Glück im Unglück
Ein paar hundert Meter weiter wurde ein Gebäude frei. Es war fast viermal so groß wie der damalige Laden, musste komplett eingerichtet werden und erforderte eine beträchtliche Investition und all meine Ersparnisse… Aber ich folgte meinem Gefühl und wagte den Sprung. Das wurde der aktuelle Laden in der Hoofdstraat 48. Im Chaos und Trubel des Umzugs hatte ich vergessen, den Mietvertrag des alten Ladens rechtzeitig zu kündigen, und so war ich noch ein paar Jahre an diesen Standort gebunden. Ein großes Problem natürlich, aber bald stellte sich heraus, dass dies auch Chancen bot! So entstand die Idee für den Outlet.


Aus der Not eine Tugend (versuchen zu) machen
Und dann stand die Welt Kopf.
Ein halbes Jahr nach der Eröffnung des neuen Ladens brach Corona aus und wir mussten schließen. Alle meine Reserven steckten im neuen Gebäude und ich habe etliche Berechnungen angestellt, wie lange ich ohne Einkommen durchhalten könnte. Meine größte Sorge war, alle an Bord zu halten, mein Team zählte auf mich. Alle Kunden saßen zu Hause und brauchten Ablenkung und Kontakt, also entstand am zweiten Tag die Idee, Online-Modenschauen zu machen und diese live auf Facebook zu übertragen. Aus der Not eine Tugend machen! Die Leute begannen schnell zu bestellen und so kam doch noch etwas Geld in die Kasse. Dank euch konnten wir uns über Wasser halten, und als der Laden wieder öffnen durfte, standen die Leute - buchstäblich - Schlange, um hinein zu dürfen.
Wachstums(schmerz)
In den vergangenen Jahren sind wir stark weitergewachsen, sowohl im Laden als auch online. Wieder einmal platzten wir aus allen Nähten. Ich schuf Platz, wo es nur ging: Der Laden wurde ein Stück weit umgebaut, der Outlet zog in ein neues Gebäude in der Nähe um und es kam ein externes Lager mit einem separaten Team hinzu, um den gigantischen Zustrom von zehntausenden Artikeln in geordnete Bahnen zu lenken. Trotz all dieser Veränderungen kam es mir ein wenig so vor, als würde ich gegen Windmühlen kämpfen, denn der Laden wurde stetig immer voller.
Persönlicher Service war bei Maxim’s immer sehr wichtig, das habe ich damals schon von Tinie gelernt, und es wurde schwierig, jedem Kunden die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdiente. Auch für mein fantastisches Team wurde der Druck immer größer. Auf der einen Seite bin ich unglaublich dankbar für unseren Erfolg, auf der anderen Seite bringt er auch enorme Herausforderungen mit sich. Ich wollte nicht aus diesem Gebäude weg, also wie konnten wir - buchstäblich und im übertragenen Sinne - Raum schaffen, ohne umziehen zu müssen?
Genau in diesem Moment wurde gegenüber dem Outlet und ganz in der Nähe des Ladens erneut ein Gebäude frei, und die Idee für die Boutique war geboren.

Hallo Boutique!
Ein Laden, der etwas mehr Fokus auf unsere Luxusmarken legte. Intimer, noch persönlicher, noch mehr Service, mit besonderer Kleidung und Nischenmarken. Letztes Jahr wurde die Boutique eröffnet, der neueste Schritt im Wachstum meines wunderbaren Unternehmens.
Inzwischen sind wir der größte Plussize-Laden der Niederlande, und so hatte Tinie am Ende doch recht. Sie konnte viele Jahre lang unseren gemeinsamen Erfolg miterleben, ist aber leider vor 10 Jahren unerwartet verstorben. Sie bleibt ein Teil unserer Geschichte, und ich rede in Gedanken noch oft mit dem Foto von ihr, das in meinem Büro steht. „Hey Rote“, sage ich dann „das haben wir doch prima hingekriegt, oder?“.

Das nächste Kapitel
Und jetzt? Unsere Geschichte ist noch nicht zu Ende. Das Ziel über all die Jahre ist gleich geblieben: Frauen zum Strahlen bringen, von innen & außen. Einen gemütlichen und sicheren Ort schaffen, an dem jeder willkommen ist und sich wohlfühlen kann, mit persönlicher Aufmerksamkeit und Service. Das sind 20 Jahre Maxim’s...and counting. Denn jawohl, der nächste Schritt ist schon wieder in Vorbereitung.
Danke, dass du Teil unseres Abenteuers bist!
Alles Liebe,

Dieser Artikel erschien bereits früher in unserem MXMS-Magazin.
